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4.2 SchwingungsdämpferÜblicherweise befindet sich vorne auf der Kurbelwelle eine Riemenscheibe, welche über den Keilriemen die Wasserpumpe und die Lichtmaschine antreibt. Manchmal gibt es auch Doppelscheiben für die Servolenkung und den Klimakompressor.
Der Flaminia-Motor besitzt zwar diese Riemenscheibe auch, sie ist aber in eine, auf den ersten Blick, schwungradartige Scheibe eingesetzt. Bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass es sich nicht um ein massives Bauteil handelt, sondern um zwei Scheiben. Es handelt sich um einen Resonanzdämpfer zur Dämpfung von Kurbelwellenschwingungen.
Jedes Mal, wenn ein Zylinder zündet, erhält die Kurbelwelle einen Impuls, der zur Torsion der Welle führt. Mit Abebben des Impulses entspannt sich die Welle wieder, was bedeutet, dass die Torsion der Welle „zurückgedreht“ wird. Man kann sich gut vorstellen, dass dieser Effekt, wenn er die Resonanzfrequenz des Systems trifft, einen irreversiblen Kurbelwellensalat zur Folge haben kann. Außerdem ist es das Ziel des Konstrukteurs, alle den Motorlauf und das Wohlbefinden der Passagiere störenden Vibrationen zu vermeiden oder zumindest zu kompensieren.
Ein geeigneter Schwingungsdämpfer muss aus zwei Funktionsgruppen bestehen. Erstens muss er eine Schwungmasse haben, die den Vibrationen Widerstand entgegen setzt (träge Masse, soll es übrigens in der Gesellschaftslehre auch geben). Zweitens eine Einrichtung, welche die aufgenommene kinetische Energie in eine andere Energieform (z. B. Wärme) umwandelt.
Die Analyse, sprich das Zerlegen von Riemenscheibe/Schwungrad, fördert eine interessante Konstruktion zutage. Die beiden wie Brotschnitten aneinander liegenden Schwungscheiben bergen in ihrem Innern zwar keine Wurstscheibe, aber ein Federpaket, welches die beiden Scheiben auseinander drückt. Die Scheiben wiederum drücken mit geschliffenen Flächen ringförmige Bremsbeläge gegen eine weitere Fläche.
Das heißt, die Schwungmasse ist nicht fest mit der Kurbelwelle verbunden, sondern sie kann sich gegen den Widerstand der Druckfedern auf ihren Reib-Belägen drehen, im Prinzip wie eine Rutschkupplung.
Die dauerhafte Federbelastung und Korrosion führen dazu, dass die Schwungscheiben und die Beläge miteinander verkleben, womit dieses wichtige Bauteil wirkungslos wird.
Die Überholung ist ziemlich einfach. Ich habe die Befestigungsteile des Dämpfers ausgebaut, die Baugruppe aber zusammengebaut belassen und dann gestrahlt. Nach dem Strahlen wurde der Dämpfer grundiert. Die Schrauben, Muttern und Sicherungsbleche wurden neu verzinkt. Danach wurde die Baugruppe zerlegt, die Beläge und die Auflageflächen wurden gereinigt, bzw. entrostet und geschliffen. Sodann wurden die außen liegenden Bereiche der Bauteile schwarz lackiert. Zum Abschluss wurde alles wieder montiert, nicht ohne eine neue Dichtung einzusetzen.
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 50 Jahre Gammel |
 Frisch gestrichen |
 Feuchtbiotop |
 Belag und Fläche waren verklebt |
 Fertig zur Montage |
 Perfekt |
21.02.2012 Hubert Enbergs |
4.1 Der Basis-Motor 813.00Die Flaminia-Befeuerung begann mit der oben genannten Maschine in der Limousine 813.00, welche zur 813.10 (110 PS) weiter entwickelt wurde.
Die Sonderkarosserien erhielten stärkere Motoren, beginnend mit dem Motor 823.00 mit 119 PS. Später kamen 823.02 (128 PS) und 823.10 (140 PS) hinzu, im Wesentlichen gekennzeichnet durch größere Vergaseranlagen und andere Nockenwellen.
Die Urversion unterscheidet sich in einigen interessanten Details von den Folgeversionen. Als erstes fällt das schwere Schwungrad auf. Dem distinguierten und kultivierten Auftritt der Berlina diente auch die niedrige Verdichtung von 7,8-1. Erreicht wurde dies durch flache Kolben. Im Gegensatz dazu hatten 823.00 ff gewölbte Kolben mit großen Ventiltaschen.
Die Zylinderköpfe des 813.00 weisen flachere Brennräume auf, die Abgaskanäle besitzen geringere Durchmesser. Die Einlassventile haben eine nicht so strömungsgünstige Form und die Auslassventile haben geringere Durchmesser als bei allen folgenden Versionen. Der Ventiltrieb darf mit einer Ventilfeder pro Ventil auskommen. Gemeinsam mit der niedrigeren Nenndrehzahl des Motors ergeben sich moderatere Kräfte im Ventiltrieb, so dass die Kipphebel und die Stößelstangen filigraner und leichter ausgeführt werden konnten. Im Widerspruch dazu ist das Nockenwellenrad mit Erleichterungsbohrungen versehen, die man eher bei sportlichen Motoren erwartet.
Interessant ist auch die vordere Abdichtung der Kurbelwelle. Während hinten bereits ein Wellendichtring eingesetzt wird, besteht vorne ein feiner Luftspalt zwischen Riemenscheibe und Stirndeckel. Die Riemenscheibe hat eine Rückfördernut, das heißt eine gegen die Drehrichtung des Motors gewundene Rille. Auf der Kurbelwelle sitzt ein Schleuderring, der das Öl vom Stirndeckel fernhalten soll.
Fast überall finden sich Prüfstempel (Punzen), eingeätzte Nummern verzieren die Pleuelstangen und die Kurbelwelle, die Lagerdeckel tragen die Motor-Fabrikationsnummer und eine Positionsnummer. Es macht einfach Spaß, die vielen Zeichen zu suchen und über ihren Zweck zu grübeln.
Die Maschine 813.00 2336 wurde von dem letzten Benutzer wahrscheinlich mit Gewalt erledigt. Bei vier Kolben sind die Ringe gebrochen. Die Bruchstücke haben sich nach oben durch die Kolbenwand gearbeitet, um dann durch die Auslassventile zu verschwinden. Die verbleibenden zwei Kolben haben einfach nur gefressen. Gleichzeitig ereilte ein Pleuellagerschaden den Motor. Kaum vorstellbar, dass das alles während einer normalen Fahrt geschehen sein soll.
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 kleine Auslasskanäle |
 Lunker, ab Werk |
 Ventilkonturen |
 Ventilfedern |
 Ein Detail |
 Viele Informationen |
 Fabrikationsnummer ist nicht Motornummer |
 Ventiltrieb |
 Inkontinenz, auch ab Werk |
 klägliche Gegenmaßnahme |
 Trümmer |
14.02.2012 Hubert Enbergs |
Aus der WerkstattFernlicht-Umschaltrelais
Die Lichtfabrik von Flaminia und Flavia ist ein Ensemble aus zwei Umschaltrelais und einem elektromechanischen Hammerwerk, welches bei jedem Impuls den Zustand wechselt.
Bei der letzten TÜV-Vorführung versagte die Fernlichtumschaltung. Die Umschaltrelais aus dem Ersatzteilregal ließen sich auch nicht zur Mitarbeit bewegen. Ich wertete das als Zeichen, mich mit dem Thema zu beschäftigen.
Die erste Baugruppe ist unglaublich verdreckt. Was hier fließt, ist kein Kriechstrom, das ist der Boston-Marathon der Elektronen. Nach der Reinigung sieht es unversehrt aus, reagiert aber nicht auf Impulse. Der Fehler liegt in einem genieteten Kontakt. Er liefert einen Übergangswiderstand im kOhm-Bereich. Nach dem Aufbohren wird die Verbindung blank gebürstet und erneuert.
Bei der zweiten Relaisbatterie stellt sich heraus, dass eine der Relaiswicklungen unterbrochen ist. Für die Reparatur wird ein Spulenwickelgerät gebaut, mit dessen Hilfe eine neue Wicklung auf dem alten Spulenkörper hergestellt wird.
Es gibt diese Licht-Umschaltrelais auch noch als Neuteil, aber ist das nicht etwas langweilig?
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 Flaminia 3C |
 Kriechstrom |
 verkohlt |
 Niet aufbohren |
 Wickelmaschine |
 Elektronenschmiede |
 Alles am Platz |
 Die schöne Flavia |
19.11.2011 Hubert Enbergs |
Flaminia Coupé 2.1 Heckpartie
Nachdem sich das Auto ein Jahr lang mit den anderen Bewohnern der Werkstatt anfreunden durfte, ertappte ich mich immer häufiger dabei, dass ich schon ab und an mit dem Schraubenschlüssel bewaffnet um es strich um für das silberne Coupé (den Kommando-Wagen) Ersatzteile abzubauen.
Um mich vor mir selbst zu schützen und weil der Rotschild-Wagen (Flaminia Convertibile) wegen externer Arbeiten nicht in der Werkstatt steht, habe ich kurzerhand beschlossen, der Karosserie zu Leibe zu rücken. Konzeptionell werde ich einen unüblichen Weg beschreiten. Das Auto wird nicht als erstes zerlegt und sandgestrahlt, sondern es werden nur die Teile abgebaut, die für aktuelle Arbeiten im Wege sind. Logistisch hat das den Vorteil, dass anfangs nur wenig Platz zur Lagerung der Teile benötigt wird, ferner würfele ich nichts mit anderen Projekten durcheinander.
Psychologisch bedeutsam ist zudem, dass ich mir vorgaukeln kann, dass nicht noch eine Ruine auf ihre Auferstehung wartet. Ich vertreibe mir ja nur mit ein bisschen Schweißen die Zeit.
An die Arbeit
Nach Demontage der Heckleuchten und der Stoßstange näherte ich mich dem Objekt meditativ und „olfaktativ“, indem ich mich unter den Wagen legte und den fünfzig Litern Uralt-Benzin beim in die Wanne gurgeln zusah. Was für ein Stoff!!! Rot, duftend und ölig. Und wahrscheinlich dermaßen Benzolgesättigt, dass man nur vom Ansehen Hornhaut-Krebs bekommt.
Meine erst Idee, das Zeug über die Brennräume des GT zu verklappen, quasi als Bleizusatz, habe ich der des Riechens mächtigen Umwelt zuliebe verworfen. Das Benzin wurde ordnungsgemäß mit Verbringungsnachweis entsorgt. Der Tank wurde ausgebaut.
Mit einigen Schnitten wurde das Heckabschlussblech entfernt und die Endspitzen heraus gemeißelt. Anhand der Fragmente wurden neue Teile zugeschnitten und geformt.
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 Ankunft |
 Fehlt nur der TÜV |
 Initiative 2011 |
 Siehe unten |
 Altlast |
 strahlen zwecklos |
 Heck weg |

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 Bogen raus |
 Land in Sicht |
 Schön ! |
13.09.2011 Hubert Enbergs |
Kein ScheunenfundAuf verschlungenen Wegen wurde mir ein Flaminia Coupé 2.5 angeboten. Wesentlicher Beweggrund war wohl der Wunsch des Besitzers, dieses Kleinod nur an einen würdigen neuen Eigentümer abgeben zu wollen, wobei ich mich bei der Sache keinesfalls so fühlte.
Genau genommen hatte ich das vom Verkäufer nicht (!) ausgesprochene Kaufangebot deutlich abgelehnt. Die Juristen werden mir diese Darstellung nachsehen. Ich weiß, dass ich ein Angebot, welches nicht abgegeben wird, weder annehmen noch ablehnen kann.
Es gab auch noch andere Kniffligkeiten zu entwirren, so war der Eigentümer bei den Besichtigungsterminen nicht zugegen, vielmehr ließ er sich durch einen Generalbevollmächtigten vertreten.
Letzen Endes wechselte das Auto doch in meinen Besitz und durch Entgegennahme des Fahrzeugbriefes und Begleichung des Kaufpreises wurde ich Eigentümer dieses wirklich schönen Autos. Zum Glück ließ sich in der Halle etwas Platz schaffen, siehe weiter unten im Blog.
Der Wagen wurde 1961 von seinem ersten und einzigen Halter zugelassen und blieb bis 1977 angemeldet. In diesem Jahr verstarb der Besitzer, der 1897 geboren wurde, im Alter von achtzig Jahren. Die originale Abmeldebescheinigung findet sich noch im Fahrzeugbrief, auch die Einzelabnahme durch den TÜV in Düsseldorf ist dort vermerkt.
Der Eigentümer des Autos fuhr in den Zwanziger Jahren auf Bugatti Rennen und gehörte nach dem Krieg zu den Gründungsmitgliedern des Bugatti-Club-Deutschland. Nachdem er einen Bugatti beim Eifelrennen zerstört hatte, er selbst zog sich dort schwere Verbrennungen zu, erwarb er unverzüglich ein neues Fahrzeug. Diesen Wagen rettete er vor dem Zugriff der Kriegsteilnehmer, indem er ihn zerlegte und in Kisten verpackte. Die Kisten wurden vergraben und erst nach dem Krieg wieder ans Tageslicht gefördert.
Der Eigentümer der Flaminia machte sich aus beruflicher Sicht durch die Restaurierung des Schlosses Oranienstein in Diez und des Limburger Doms einen Namen.
Es gibt sicher noch vieles über den Weg dieser Flaminia und aus dem Leben des Besitzers zu ergründen . . .
Und nun die entscheidende Frage, was tun?
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 Ergebnis eines Kraftaktes |
 missmutiger Blick |
 Müll im Heck |
 Alles Original |
 Bugatti |
 Sportabzeichen |
 gute Gesellschaft |
 ungleiche Schwestern |
 Wer macht die Schwellen? |
04.07.2011 Hubert Enbergs |
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